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Mittwoch, August 29, 2007
Montag, Mai 28, 2007
Sonntag, Mai 13, 2007
St. Pelagiberg - ein Berg der Gnade

Bei den meisten gläubigen Christen dürfte „Pelagius“ zunächst keine guten Gedanken wachrufen: Gab es nicht im 5. Jahrhundert einen Häretiker namens Pelagius, berühmt dafür, daß er – sehr vereinfacht gesagt – die Gnade auf die Seite schob und eine Art Selbsterlösung des Menschen, ein tugendhaftes Leben aus eigener Kraft lehrte? Tatsächlich ist dieser Pelagius bis heute der prominenteste Vertreter seines Namens geblieben.
Bei nicht wenigen Katholiken auf der Schweizer Seite des Bodensees aber weckt „Pelagius“ zuallererst gute Assoziationen. Der Name steht hier für einen anderen Mann der frühen Kirche, einen Martyrer des 3. Jahrhunderts, der in der Konstanzer Region und im Schweizer Kanton Thurgau besondere Verehrung genießt. Im Jahr 904 nämlich brachte Bischof Salomon III. von Konstanz die sterblichen Überreste dieses Heiligen in seine Bischofsstadt. Dort wird er in der Krypta der Münsterkirche, nahe beim heiligen Konrad, aufbewahrt. Einige weitere Reliquien des heiligen Pelagius übergab Salomon III. dem reichen, in der Nähe von St. Gallen gelegenen Stift Bischofszell. Zu dessen Besitztümern zählte damals auch jener Weiler, der inzwischen schon recht lange den Namen des Martyrers trägt: St. Pelagiberg.
Ob man von St. Gallen, von Gossau oder Bischofszell her St. Pelagiberg ansteuert, immer erblickt man schon aus einiger Entfernung den Hügel, den die weiße Pfarr- und Wallfahrtskirche krönt. Sie ist allerdings nicht, wie man wohl erwarten dürfte, ein Heiligtum des Martyrers Pelagius, vielmehr eines der Jungfrau und Gottesmutter Maria. Wer das Heiligtum betritt, sieht über dem Altar eine kunst- und liebevoll bekleidete Statue der Schwarzen Madonna, derjenigen zu Einsiedeln nicht unähnlich. Das St. Pelagiberger Gnadenbild stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert und ist nicht nur selten Zeuge flehentlicher Gebete geworden, die dann auch Erhörung fanden.
Nahe der Kirche steht das imposante Kur- und Exerzitienhaus, das seinem Namen „Marienburg“ alle Ehre macht. Die Schwestern vom Kostbaren Blut, entsandt von ihrem Mutterhaus in Schellenberg (Fürstentum Liechtenstein), bewirtschaften es mit Frömmigkeit und Fleiß.
Und nun eine weitere Besonderheit des Ortes: Hier ist die überlieferte Form der römischen Heiligen Messe immer lebendig geblieben; tagtäglich können die Gläubigen ihr in der Marienburg wie in der Pfarr- und Wallfahrtskirche beiwohnen. Dafür ist – nach Gott und der mächtigen Fürsprecherin an Seinem Thron – vor allem dem 1999 verstorbenen, hochverdienten St. Pelagiberger Pfarrer Alfons Ringer und den Schwestern zu danken.
Die Priesterbruderschaft St. Petrus ist St. Pelagiberg seit ihrer Geburtsstunde verbunden. Priester und Seminaristen haben sich hier ungezählte Male zu Exerzitien (als Exerzitienmeister ebenso wie als Exerzitanten), zu Versammlungen und zu ganz persönlicher Einkehr eingefunden. Auch die Aufgabe des Hausgeistlichen der Schwestern wurde über viele Jahre hin von Mitgliedern unserer Gemeinschaft besorgt; heute ist ein Priester der Erzdiözese Vaduz mit diesem Amt betraut. Als Pfarrer Ringer schwer erkrankte und aus dem pfarrlichen Wirken ausscheiden mußte, übernahmen Priester der Bruderschaft St. Petrus einen erheblichen Teil der Seelsorge an der Wallfahrtskirche. So ist es bis jetzt geblieben.
Mit Blick auf das kirchliche Leben gibt St. Pelagiberg zu viel Freude Anlaß. Es seien hier – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einige Schlaglichter geworfen:
Während der Mangel an Gottesdienstbesuchern andernorts Sorgen macht, insbesondere kaum junge Gesichter zu sehen sind und die Beichtstühle verwaist dastehen, braucht man auf dem St. Pelagiberg derartige Krisenerscheinungen nicht zu beklagen. Sonntags, aber auch werktags finden sich zahlreiche Gläubige aus der Region zur heiligen Messe ein. Der Priester bekommt im sonntäglichen Amt zuweilen den (allerdings nicht ganz zutreffenden) Eindruck, er habe an der Kommunionbank fast ebenso oft das Kreuzzeichen auf eine Kinderstirn gemacht wie den Leib Christi dargereicht. Das – zumal in der Schweiz – weithin „verlorene Sakrament“ (Kard. Höffner), die Beichte, gehört auf dem St. Pelagiberg zum täglichen Leben. Die Sühnenacht am ersten Samstag im Monat mußte von der Hauskapelle der Marienburg in die Pfarr- und Wallfahrtskirche verlegt werden, weil die Anzahl der Teilnehmer den früheren Rahmen sprengte.
Gut besucht sind auch die wöchentlichen Kinderkatechesen. In vier Altersgruppen unterteilt, sollen die Teilnehmer von den Anfangsgründen der Glaubenslehre über die Sakramente der Buße, Kommunion und Firmung zur Reife weitergeführt werden. Die Kinder und Jugendlichen können sich auch in der stattlichen Schar der Ministranten und bei den Pfadfindern des Feuerkreises St. Niklaus von der Flüe, die monatlich auf dem St. Pelagiberg zusammenkommen, engagieren. Nun gilt es, auch das Angebot für ältere Jugendliche und junge Erwachsene anzureichern.
Monatlich trifft sich die „Regionalgruppe Thurgau“ der in der Schweiz sich stetig ausbreitenden, segensreichen „Marianischen Frauen- und Müttergemeinschaft“ zu heiliger Messe und Vortrag auf dem St. Pelagiberg. Auch für die Männer sollte es bald etwas Vergleichbares geben. Der religiösen Vertiefung dient seit Oktober ein Kreis, in dem unter priesterlicher Leitung die Heilige Schrift gelesen wird; er hat einen unerwartet lebhaften Zuspruch erfahren. Selbstverständlich wird in einer solchen Gemeinde auch zur Ehre Gottes und zur Verschönerung der Liturgie gesungen. Dem traditionsreichen mehrstimmigen Chor konnte vor kurzem eine Männerschola an die Seite gestellt werden.
Nicht zu vergessen: Die Marienburg ist weiterhin nicht nur Kur-, sondern auch Exerzitienhaus. Regelmäßig erteilen Priester der Bruderschaft St. Petrus hier Ignatianische und thematische Exerzitien. Ein Apostolat, das weite Kreise zieht.
Mag der Name „Pelagius“ auch allgemein mit dem Pelagianismus in Verbindung gebracht werden, mit dem Versuch also, die göttliche Gnade durch das menschliche Werk unnötig zu machen: Der St. Pelagiberg legt als Heiligtum der Schwarzen Madonna, als Stätte lebendiger liturgischer Überlieferung, erfüllten Betens und häufigen Beichtens dennoch ganz augenscheinlich Zeugnis von den weder verdienten noch überhaupt verdienbaren Liebesgaben unseres Herrn und Erlösers ab. Er ist ein Berg der Gnade.
P. Bernward Deneke
Montag, Juli 31, 2006
Das Gnadenbild zu St. Pelagiberg
Auf dem St. Pelagiberg wird (wie an vielen anderen Wallfahrtsorten) das Gnadenbild regelmäßig mit verschiedenfarbigen, teilweise prächtigen und kostbaren Gewändern "umgekleidet". Zwar konnten wir noch in der letzten Passionszeit sehen, daß unsere altehrwürdige Madonna mit dem Jesuskind durchaus auch ohne ein zusätzliches Kleid zu beeindrucken vermag. Aber die Verehrung und Liebe drängt die Gläubigen eben dazu, selbst etwas zur Schöheit des Bildnisses beizutragen, und so haben sich im Laufe der Zeit immer wieder Personen gefunden, die solche Kleider verfertigt haben.
Welches ist die Aussage dieser Kleider? Sie erinnern uns zunächst daran, in welche übernatürliche Zierde der dreifaltige Gott Seine Tochter, Mutter und Braut von Anfang an gehüllt hat. "Voll des Frohlockens bin ich im Herrn, und meine Seele jauchzt auf in meinem Gott, denn Er hat mich gekleidet in Gewänder des Heiles, hat mich umhüllt mit dem Mantel der Gerechtigkeit, wie eine Braut im Schmucke ihres Geschmeides", heißt es im Introitus vom Fest der Unbefleckten Empfängnis (Is 61,10).
Sodann sprechen die Kleider davon, daß Maria, seitdem sie mit Leib und Seele in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen wurde, auch alle irdische Schönheit vor Seinen Thron trägt. So tritt sie bei der Hochzeit von Himmel und Erde an die Seite des ewigen Königs. "Die Königstochter in strahlendem Schmuck hält ihren Einzug; von Gold gewoben sind ihre Gewande, in farbiger Pracht wird sie zum König geführt", singt der 44. Psalm. Und die Apokalypse zeigt uns die vollendete Kirche in einem marianischen Bild: "Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, herabsteigen aus dem Himmel von Gott her, bereitet wie eine Braut, die sich geschmückt hat für ihren Bräutigam." (Apk 21,2)
Schließlich künden die Kleider der Madonna auch von der Verehrung, die der himmlischen Mutter von seiten ihrer Kinder entgegenschlägt. Nicht als ob wir dem Meisterwerk der Gnade Gottes ewas hinzufügen könnten! Aber dennoch: Wenn religiöser Kunstsinn Gewänder schneidert und eifrige Kirchenschmücker häufig die steile Leiter bis hinauf zum Gnadenbild erklimmen, dann liegt darin doch ein sprechender Erweis lebendiger Marienliebe.
Aus: Leitwort zur "Gottesdienstordnung" August 2006 von P. Bernward Deneke
Das Gnadenbild zu St. Pelagiberg
Mächtigmilde Gnadenmutter, Maria von Sankt Pelagiberg, bewahr uns Freiheit und Frieden und schütze deine Kinder.
Große Wallfahrtstage
1. Fest der sieben Schmerzen mariens (Freitag vor dem Palmsonntag)
2. Maria Heimsuchung (2. Juli)
3. Maria Geburt (8. September) Patrozinium
4. Maria Opferung (21. November)
Sonntag, Juni 11, 2006
Die Gnadenmutter von St. Pelagiberg
Das Gnadenbild zu St. PelagibergEine weithin leuchtende Gottesburg ist dieser Pelagiberg im Kanton Thurgau. Entfernt von Städten und Dörfern stehen Kirche, Pfarrhaus und Kurhaus nebeneinander auf dem grünen Hügel, von Bischofszell eine Stunde, von St. Gallen, Gossau, Romanshorn je zwei Stunden (zu Fuß) entfernt. Wundervoll ist es hier oben, wenn ringsum im Land die Bäume blühen oder wenn sie in den Herbstfarben leuchten und draußen im weiten Bodensee sich der Himmel spiegelt.
Der herrliche Aussichtspunkt war schon im 9. Jahrhundert dem Bischof von Konstanz, Salomon III., dessen Stammschloß Ramswag in der Nähe lag, bekannt. Aller Wahrschenlichkeit nach hat er die erste Kapelle auf Pelagiberg erbaut. Überlieferung und älteste Urkunden sprechen von einer Muttergotteskapelle.
Dieser hochangesehene Bischof von Konstanz und zugleich Abt von St. Gallen und Reichenau war ein Fürst im besten Sinne des Wortes. Von einer Romwallfahrt brachte er auch eine Reliquie des jugendlichen Märtyrers Pelagius in seine Heimat zurück. Letzere schenkte er der Kirche von Bischofszell, wo er sich oft aufhielt. In einer großen Not, aus welcher ihn der heilige Pelagius befreite, weihte er die Kirche diesem jungen Märtyrer. Seine Gründung erhielt den Namen Pelagistift. Die ganze Umgebung gehörte zu diesem Stift und hieß im Volksmund nach und nach Pelagiberg.
Schon in der ersten Kapelle von Pelagiberg wurde ein Gnadenbild der Muttergottes verehrt. Bis zum 15. Jahrhundert stand die stark gemauerte Kapelle,den Stürmen zum Trotz, auf dem Berg. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts baute man eine größere Kapelle. Die alte Kapelle diente als Chor. In der neuen Kapelle wurde ein Seitenaltar zu Ehren der allerseligsten Jungfrau geweiht und das Gnadenbild darüber angebracht. Die Weihe fand 1487 statt. Es ist wohl anzunehmen, daß Bruder Klaus im Ranft, der einst als Soldat und Rottmeister mit den Eidgenossen in den Thurgau gezogen war, vernommen hat, daß Unsere Liebe Frau auf dem Pelagiberg eine neue Kapelle gebaut werde. Genau in seinem Todesjahr konnte die Kapelle von Weihbischof Daniel von Konstanz konsekriert werden.
Bald brach das Unglück der Glaubensspaltung über das Volk herein. Wie mancher pilgerte in den schweren Tagen in die einsame Kapelle zur Gnadenmutter! Später wohnten hier Waldbrüder. Es wurde am Chor der Kapelle eine kleine Hütte angebaut. Diese Einsiedler hielten Ordnung im Wallfahrtskirchlein und beteten mit den Pilgern und für die Pilger. 1852 wurde ein Pfrundhaus gebaut und ein Priester als beständiger Benefiziat berufen. Seither ist Pelagiberg zur eigentlichen Wallfahrtsstätte aufgeblüht.
Ein Tag der Wehmut und Hoffnung zugleich war der Siebenschmerzenfreitag 1888. Es war der letzte feierliche Gottesdienst in der seit 1487 bestehenden Kapelle. Das Gnadenbild wurde in feierlicher Prozession ins Pfrundhaus getragen und bis zur Vollendung der neu gebauten Kirche dort Gottesdienst gehalten. Schon am 30. Juni 1889 konnte der Neubau benediziert werden. Und an Maria Heimsuchung, dem 2. Juli, wurde das erste Marienfest in der neuen Kirche gefeiert. Am 18. Juli 1890 kam der Bischof Leonhard von Basel zur feierlichen Weihe nach Pelagiberg.
Gnadenbild und Wallfahrtstage
Bei der Madonna von Pelagiberg handelt es sich nicht um eine Nachbildung von Einsiedeln, da sie nach Ansicht der Kunsthistoriker ins 13. Jahrhundert zurückreicht, während das Einsiedler Gnadenbild aus dem 15. Jahrhundert stammt. Das Gnadenbild von Pelagiberg wurde immer verehrt bis zum 16. April 1848, als man es zur Bestürzung vieler nach dem Zeitgeschmack durch ein anderes Marienbild ersetzen ließ. Es blieb im Pfarrhaus in Bischofszell und später in der Sakristei der alten Wallfahrtskirche so lange, bis es von neuem von einem Kenner entdeckt und dann restauriert wurde. Zur Freude des Volkes grüßt es nun seit 1865 wieder die Gläubigen. Wie in Einsieden, so trägt auch diese Statue ein kostbares, gesticktes Kleid.
Einzelne Pilger, stille Beter vom nahen Kurhaus, ganze Gruppen knien immer wieder vor der wunderbaren Mutter.
Als große Wallfahrtstage werden gefeiert:
- Der Schmerzenfreitag vor Palmsonntag
- Maria Heimsuchung am 2. Juli
- Maria Himmelfahrt am 15. August
- Maria Opferung am 21. November
- Maria Unbefleckte Empfängnis am 8. Dezember
Von einzelnen auffallenden Erhörungen künden viele Votivtafeln und -zeichen, darunter auch silberne Hände, Füße, Augen, Herzen, Kindergestalten. Die ältesten Exvoto gehen auf Jahrhunderte zurück, so daß deren Holzwerk morsch geworden ist. Sie wurden in Kisten aufbewahrt. Was haben sie alles zu erzählen von Menschen, deren Sterbliches längst auch in "Staub und Asche" zerfallen ist! Im Himmel aber wird nichts "morsch", dort danken jene, die einst erhört wurden, ewig für die erhaltenen Gnaden. Es ist interessant und vertrauenerweckend, die Dankeszeichen, die man heute noch an den Wänden sieht, zu betrachten und zu lesen.
Aus: "Helvetia Mariana" von Ida Lüthold-Minder, Christiana-Verlag, Stein am Rhein, ISBN 3-7171-0746-1
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